S23-1 - Unterwasserbibliothek

Einordnung

Kampagne: The Masketiers Spielercharaktere: Cruella, Elyas, Pock, Valk Zeitpunkt: Session 23, Teil 1 Ort: Unterwasserbibliothek in einer Luftblase am Meeresgrund Beteiligte Personen: Die Masketiers und sieben junge Sphinxe der Wunder Erzählperspektive: Wechselnde personale Erzählperspektive innerhalb der Gruppe

Ausgangslage

Die Masketiers erreichen eine prächtige Unterwasserbibliothek und begegnen dort sieben jungen Sphinxen. Während einer Rast durchsuchen sie die Bibliothek nach Wissen über den Schlummernden, Drachenschuppen und weitere Hinweise.

Geschichte

Die Unterwasserbibliothek

Pock stiess beide Flügel der Pforte auf und blieb erstaunt stehen. Der Anblick dieser prächtigen Bibliothek in dieser seltsamen Luftblase am Grund des Meeresbodens war an sich schon atemberaubend. Doch was den erfahrenen Abenteurer tatsächlich innehalten liess, war das Wesen, das sein katzenartiges Haupt zu den Masketiers wandte und erstaunt die Besucher ansah. Es war nicht allein. Eines nach dem anderen kamen sie hervor – allesamt beflügelte Löwen- oder Tigerjunge – , um die Besucher zu mustern: Ein katzenartiger Kopf streckte über einen hölzernen Schreibtisch, ein weiteres trat mit samtenen Pfoten aus den Schatten heraus und spreizte die Flügel erwartungsvoll. Bis schliesslich sieben Paar Augen die Masketiers fixierten. Sie schienen nicht aggressiv oder feindlich gesinnt zu sein.

Valk kniete sich sachte nieder und streckte vorsichtig einen Arm aus. «Hey, miez, miez!», sagte der Rogue in einem ungewöhnlich sanften Ton, «kommt her, psss, psss!»

Unbeeindruckt setzte sich eine von ihnen und blickte Valk urteilsvoll an. «Wir können sprechen, weisst du?»

«Oh. Äh… Wow. Das hab ich nicht gewusst!» Er setzte zu einem erneuten Versuch an: «Hey, Lust auf was Leckeres?» Er kramte in seinen Taschen herum. «Ich hab' hier… äh…»

«Trockenfleisch?», warf Pock ein und reichte Valk ein Stück Trockenfleisch weiter. «Ja, genau! Trockenfleisch!» Der Rogue hielt das Stück Trockenfleisch hin. «Mmmh! Richtig lecker! Na?»

Es rümpfte beleidigt die Nase. «Wie blöd bist du denn? Trockenfleisch! Weisst du denn nicht, was wir sind? Nein, natürlich weisst du's nicht.»

«…Das ist richtig.» Valks Stimme war um eine Oktave gesunken – er hielt sich sichtlich zurück.

«Wir sind Sphinxe der Wunder!», verkündete das Vorlauteste stolz und beobachtete genüsslich den erstaunten Ausdruck von Cruella, Pock und Elyas.

«Ihr könnt euer Trockenfleisch behalten! Nein, wir mögen Wissen! Rätsel! Das sind Leckereien für uns!» Demonstrativ leckte es das kleine Löwenmäulchen.

«Au ja! Rätsel!» Eine Sphinx mit blauen Augen hüpfte aufgeregt auf den Schreibtisch.

«Nun, wir könnten euch von unserer Heimat erzählen», schlug Cruella vor, «Faerûn. Davon habt ihr bestimmt noch nie etwas gehört.» Mit einem verschmitzten Lächeln registrierte sie, wie sieben Paar Sphinx-Ohren auf sie gerichtet waren. «Es liegt nämlich nicht in Ardania. Es befindet sich in einer anderen Dimension!»

«Einer anderen Dimension?», echoten drei Sphinxe unisono.

«Mhm!» Cruella lehnte sich lässig an den Schreibtisch und erzählte von der Heimat der Masketiers. Wie eine Schulklasse kleiner Kinder war sie umringt von den kleinen, geflügelten Katzenartigen, die gespannt ihrer Erzählung lauschten. Abwechslungsweise lösten Pock, Elyas und Valk sie ab, wenn sie nicht mehr weiterwusste, und unterhielten die Kleinen mit eigenen Geschichten und Rätseln.

«Und was macht ihr denn hier, in unserer ollen Bibliothek?», fragte eine Sphinx und legte eine Tatze auf Cruellas Arm.

«Wir suchen nach Informationen über den, der in den Tiefen schlummert. Und wir suchen nach Drachenschuppen.»

Doch die Sphinxe wussten nicht mehr als die Masketiers über die Legende. Bei der Erwähnung der Drachenschuppe hingegen tauschten sich zwei Sphinxe merkwürdige Blicke aus, verneinten allerdings, etwas darüber zu wissen.

«Aber jetzt erzählt doch ihr», wandte sich Pock an die nächste Sphinx, «was macht ihr denn hier? Seid ihr denn ganz alleine hier?»

Bereitwillig erzählten sie, dass sie auf diesen Ort aufpassen mussten, dass ihre Eltern ihnen gesagt hätten, dass sie hier warten sollten, bis sie zurückkommen. Ihre Eltern hätten jemandem ganz Wichtigem versprochen, auf etwas aufzupassen, bis der Richtige kommt, um es abzuholen. Und darum seien Mama und Papa und ihre grosse Schwester Sazie weg – und das schon seit einer geraumen Weile. Wo genau Mama und Papa seien, könnten sie nicht sagen. Aber sie wüssten, wie man zu ihnen gelangen würde. Man müsse lediglich durch dieses Tor gehen – es führe in eine andere Dimension, wo die Besucher getestet werden würden.

«Noch eine Prüfung?! Wunderbar.» Ächzend legte Valk die Hand auf die Stirn. «Als ob die letzte Prüfung nicht grad vorhin war! Wo sind wir hier? In einer Schule?!»

«Ach, Kopf hoch!» Elyas tätschelte dem Rogue tröstlich auf den Rücken. «Du weisst ja bei Prüfungen: Vorbereitung ist alles!»

«Nee. Seh ich aus, als hätt ich studiert?» Valk verschränkte genervt die Arme. Eine Sphinx hinter Valks Rücken schüttelte unschuldig den Kopf.

«Hahaha! Glaub mir, ich weiss, wovon ich spreche! Ich hätt's sonst nie zu Professor Gilbarims Assistenten geschafft!», lachte der Artificer.

Der Vorschlag, die Bibliothek genauer unter die Lupe zu nehmen und eine kurze Rast einzulegen, wurde von den Masketiers einstimmig angenommen. Die Bibliothek erwies sich als eine reine Goldgrube – sofern man wusste, wonach man suchen sollte. Ein Manuskript mit den handgeschriebenen Notizen eines Dr. Nartis mit dem Titel «Spaltung. Eine gottgleiche Kraft», das Cruella nahm. Eine Sammlung an faszinierenden Bauplänen und Blaupausen für khalitebetriebene Maschinen und Waffen, die Elyas begeistert studierte. Ein Buch über ein mystisches Artefakt mit dem Namen «Das Deck der Vielen Dinge», das den aktuellen Verbleib des Artefakts abhandelte und drei mögliche Fundorte benannte. Pock studierte das Buch mit allergrösstem Interesse. Doch der mit Abstand wertvollste Fund war ein störrisches, magisches Buch.

Es rief Pocks Aufmerksamkeit, da es als einziges keinen Titel auf dem Rücken besass. Der rote Ledereinband war reich mit Flammensymbolen und -ornamenten verziert. Als er das Buch öffnete, blickte er leeren Seiten entgegen. Aber eine schrille Stimme drang aus dem Folianten heraus: «Mach zu!»

Verblüfft starrte Pock das Buch an. Hatte es gerade gesprochen?

«Worauf wartest du? Zumachen! Mach mich zu!» Die ungeduldige Stimme war hörbar genervt.

Er tat wie geheissen und wartete einen Moment lang. «So besser?», fragte er schliesslich.

Als er nach einer Weile immer noch keine Antwort hörte, öffnete er den Folianten wieder.

«Hey! Zumachen!», schimpfte das Buch erneut.

«Hab ich doch vorhin!»

«Und jetzt bin ich wieder offen! Zumachen!!»

«Wieso sollte ich?»

«Weil es hier zieht, weil das in mir Geschriebene dich nicht angeht und WEIL ICH ES SAGE!»

«So so.» Unbeeindruckt blätterte der Magier durch die Seiten, überprüfte Deckseiten und Buchdeckel, wärend das Buch unentwegt protestierte, fantasievoll beschimpfte und fluchte. Doch jede einzelne Seite war wie neu und unbeschrieben.

«In dir steht ja gar nichts geschrieben!»

«Ha! Weil ich dich nicht lesen lasse! Es ist nicht für deine Augen bestimmt, kapiert? Und jetzt mach zu und stell mich zurück!»

Seufzend klappte Pock das Buch erneut zu und fragte zunächst die Sphinxe, dann Cruella um Rat. Doch auch die Sphinxe kannten es bloss als das seltsame, leere Buch, das geschlossen werden wollte. Pock dürfe das Buch behalten, sie alle hätten es ja schon gesehen und das Interesse daran verloren. Cruella erkannte bloss, dass es magisch war, konnte die Magie allerdings nicht recht zuordnen. Dankend verzog sich Pock in eine ungestörte Ecke und öffnete das störrische Buch erneut.

«Ich sage dir, was jetzt passiert.» Pock legte seine Hand demonstrativ auf den Knauf seines Schwertes und seine Stimme nahm den höflichen, ruhigen Ton an, in dem Verbrecherbanden gewöhnlich mit Zivilisten verhandelten. «Du zeigst mir dein Geheimnis. Du lässt mich dich lesen. Und du zeigst mir, was du verbirgst. Verstanden?»

Mit einem leisen Wimmern erlag das Buch seinem Suggestion-Zauber und verstummte. Wie von unsichtbarer Hand erschienen Linien, die Kritzeleien wurden zu Formen und die Formen erwachten zu Leben. Eine Reptilklaue erschien am Rand des Papiers, dann formte sich ein grosses Auge, das Pock fixierte. Wortlos starrte der Magier die kuriose Seite an. Das Auge bewegte sich, als ob es versuchte, Pocks Umgebung zu erspähen, wie durch ein zu kleines Fenster. Dann verschwand das Auge und mit einem tiefen Knurren liessen die schuppigen Klauen die Ränder los. Die Seiten waren wieder leer.

«Hey, komm zurück!», rief Pock enttäuscht, «lass mich dich lesen! Offenbare dich!»

Erneut verlieh der Magier seinem Vorschlag mit einem Zauber Nachdruck. Dann erscholl eine tiefe, grollende Stimme aus dem Buch: «Denkt der kleine Wicht etwa wirklich, dass er mich kontrollieren könne?» Ein knurrendes, leises Lachen. «Amüsant. Und erbärmlich…»

«Also. Wer bist du?», fragte Pock unbeirrt. Doch die neue Stimme blieb still.

Für eine lange Minute schwiegen sich Buch und Pock an, ehe er die Geduld verlor. «Okay. Ein Buch, das nicht kooperieren will. Dann kann ich es ja gleich verbrennen.» Pock beschwor die Essenz des Feuers in seine Hand und begann, die Seiten anzusengen.

«HALT!», Panik schwang in der donnernden Stimme, als das Reptilauge wieder erschien. «Wage es bloss nicht!»

«Sonst was? Willst du mich mit Tinte beklecksen?», höhnte Pock. «Guck mal. Wir können nett zueinander sein. Oder wir können es umständlich halten. Ganz deine Wahl. Vielleicht kann ich dir sogar helfen? Oder du bringst mich dazu, dass ich mit allergrösstem Vergnügen dieses Buch verbrenne.»

Die Stimme brüllte vor Wut, wärend die skizzierten Klauen versuchten, Pock zu zerfleischen. Dann füllte sich das Papier mit gezeichneten Feuerzungen, die über die gesamte Doppelseite tanzten. Pock klappte das Buch zu und schnaubte leicht vergnügt. «Denk ruhig über das Angebot nach, hm? Keinen Zeitdruck! Ich bin ja kein Betrüger.» Als der Aasimar aufblickte, war er umringt von seinen Gefährten und den Sphinxen.

«Was, bei allen Teufeln und Göttern, war das?», entfuhr es Valk.

«Ach. Bloss ein sehr unanständiges Buch.» Er tätschelte den Ledereinband. «Ist besser, wenn ich es verwahre. Wir wollen ja nicht, dass die jungen Sphinxe hier lernen derber zu schimpfen als Piraten.»

Erholt von der anregenden Pause hatten sich die Abenteurer vor dem Tor versammelt, die zu den Eltern der Sphinxe, zur Prüfung führte.

«Irgendwelche Tipps für die Prüfung?», fragte der Rogue hoffnungsvoll.

«Zuerst werdet ihr verführt. Dann werdet ihr verwirrt. Und am Schluss müsst ihr Intelligenz und Weisheit beweisen.»

«Und was bedeutet das konkret?»

Die Sphinx zuckte mit den Flügeln und wiederholte das Gesagte. «Und vielleicht werdet ihr unsere grosse Schwester Sazie treffen, bevor ihr unsere Eltern trefft», ergänzte sie.

«Keine Sorge! Papa ist vielleicht etwas aufbrausend und jähzornig und super stark. Aber Mama war schon immer die ruhigere und bevorzugt kluge Debatten mit Intelligenz und Weisheit gegenüber einem Kampf!»

Mit diesen Worten verabschiedeten sich die kleinen Sphinxe und die Masketiers traten abwechselnd durch das Portal in die Dimension der Prüfung.

Nachwirkung

Was hat sich für die Gruppe verändert: Cruella, Elyas und Pock finden mehrere bedeutende Schriften und Baupläne. Pock nimmt ausserdem ein magisches rotes Buch an sich, in dem offenbar ein Drache gefangen ist. Wichtige Erkenntnisse oder Gefühle: Die jungen Sphinxe warten seit langer Zeit auf die Rückkehr ihrer Eltern und bewachen einen Zugang zu einer weiteren Prüfung. Bedeutung für spätere Ereignisse: Die Masketiers treten durch das Portal in die Dimension der Prüfung, wo sie zunächst verführt, danach verwirrt und schliesslich auf Intelligenz und Weisheit geprüft werden sollen.

Quelle im öffentlichen Player Vault: 05_Kampagnen/01_Masketiers/02_Spieler_Stories/Valk/S23-1_-_Unterwasserbibliothek